Perlen - ein Mahl für die Götter?



Es war ein lauer Abend, so lau er im staubig-heißen Ägypten eben sein kann, als die überaus verführerische Kleopatra im Schein der Fackeln ihrem Geliebten Markus Antonius zuprostete. Das ungläubige Gesicht des römischen Feldherrn dürfte aber nicht gerade auf die Schönheit seiner Tischgenossin zurückzuführen gewesen sein, sondern mehr auf die Absurdität der Situation.

Denn einer Wette wegen – die beiden hatten gewettet, wer das teurere Festmahl servieren könne - hatte diese soeben einen legendären Ohrschmuck aus übergroßen Perlen in einer Schale saurem Essig aufgelöst. Der Ohrring galt als größte Perle der Antike, die Wahrscheinlichkeit, zwei solcher Meisterwerke der Natur zu finden, als eigentlich ausgeschlossen.

Diese Anekdote, die bereits von Plinius erwähnt worden war, bereitete vielen Kopfzerbrechen. Man hielt sie zumeist für Erfindung, eine schlechte Propaganda des später siegreichen Octavian, der nach dem Sieg über Ägypten das Bild einer verschwendungssüchtigen Monarchin zeichnen wollte. Denn, so das Hauptargument: Perlen seien in Essig nicht ohne weiteres aufzulösen, selbst wenn dieser stärker sei als üblicherweise bei der Speisenzubereitung verwendet.

Nun, offenbar lag genau hier der Irrtum. Denn am besten reagieren Perlen nicht mit starker Essig-Essenz, sondern mit Weinessig, nicht stärker als fünf- bis zehnprozentig. Das fand eine Untersuchung an der Montclair State University in New Jersey heraus. Auf derartige Säurewerte bringt es teilweise schon saurer Wein. Und so ist es vielleicht nicht nur dichterische Freiheit, wenn Literaten wie Ovid von Festbanketten berichten, in denen Wein mit gelösten Perlen aufgetragen wurde. Denn eine fein zerstoßene kleine Perle löst sich in einem leichten Weißweinessig schon in Sekunden.

Was derartige Geschehnisse allerdings zeigen: Perlen sind empfindliche Naturprodukte. Daher sollten Sie auch Ihre gute Perlenkette nicht all zu großen Belastungen aussetzen. Vorsicht beim Essen! Den Kontakt mit Speisesäuren mögen Perlenketten gar nicht. Im Sommer sollten Sie Perlen nicht lange auf der bloßen Haut tragen, denn auch die im Schweiß enthaltene Buttersäure kann ihnen schnell etwas von ihrem Glanz und Lüster nehmen.Ohrschmuck



Autor  Manuel Wiese
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