Swatch Uhren und der amerikanische Traum
Hinter dem typischen amerikanischen Traum, dem Erfolg vom Tellerwäscher zum Millionär, steckt der Gedanke, dass eine einzige geniale Idee zum wirtschaftlichen Siegeszug reicht, wenn man diese Idee konsequent und gegen alle Gegenströmungen weiterverfolgt. In der Welt der Wirtschaft, in der scheinbar nur Zahlen und (kalte) Berechnung sowie Kapital regiert, schaffen es immer wieder einzelne Menschen oder kleine Gruppe mit der richtigen Idee zur rechten Zeit, einen Durchbruch zu erreichen und damit sogar weltweit bekannt zu werden. Dabei soll der Gedanke an den amerikanischen Traum nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Umsetzung einer Idee nicht nur mit viel Arbeit verbunden ist; frei nach dem Zitat von Thomas Alva Edison, wonach Genie ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration seien.
Auch die Swatch-Uhr ist ein Beispiel für einen erfolgreichen Geniestreich. Die Schweizer Uhrenmanufakturen waren in den 1970er und 1980er Jahren gerade dabei, sich nach jahrhundertelanger Führungsposition sang- und klanglos den Importen aus Fernost zu beugen. 1979 begann Nicolas G. Hayek auf der wirtschaftlichen Ebene, den Widerstand der Schweizer Manufakturen zu organisieren. Den Durchbruch besorgten die Swatch Uhren, deren erste Pläne auf die jungen Ingenieure Elmar Mock und Jaques Müller zurückgehen. Diese Pläne bedienten sich einer Entwicklung, die bereits 1978 unter dem Namen Delirium bekannt wurde. Der Trick war die vollintegrierte Produktionstechnik.
Von Trick kann man deshalb sprechen, weil es mit dieser Technik gelang, die Produktionskosten drastisch zu senken. Die Swatch Uhren waren also Plastikuhren billigster Machart und dennoch überzeugten sie mit einer soliden Verarbeitung.
Der Erfolg basiert dabei nur zum Teil auf dem guten Preisleistungsverhältnis selbst. Vermutlich war weit entscheidender das erfolgreiche Marketing unter der Leitung von Hayek und später (in den 1990er Jahren) Peter Petersen (seit 1987 also CFO). Beiwerke des Erfolges waren unter anderem Sonderverpackungen (von Stardesignern kreiert) und Veranstaltungen, die auf die Produktionszahlen (1992: die 100millionste Uhr; 2006: die 333millionste Swatch) aufmerksam machten. Des Weiteren unterstützt Swatch diverse Trendsportarten wie etwa Beachvolleyball oder Snowboarden.
Inzwischen gehört zum Portfolio des Herstellers nicht nur die Armband- oder die Wanduhr, sondern auch Lifestyle-Produkte, wenngleich manche Ideen ungeplante Entwicklungen nahmen wie etwa der von Hayek erdachte Smart, der später von Mercedes realisiert wurde.
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