Wie eine Perle entsteht



Einsam war er, der polynesische Gott Oro. Und verzweifelt genug, seine Schwestern zu bitten, eine geeignete Frau für ihn zu finden – was als göttliches Wesen ja gar nicht so einfach ist. Nachdem diese ihm von der schönen Prinzessin des Inselreichs Bora-Bora berichtet hatten, steig er auf einem Regenbogen zur Erde hinab – und schenkte seiner Angebeteten und der Menschheit die Perlen, die noch heute dort in großer Zahl gefunden werden. So berichtet jedenfalls eine Legende aus Tahiti.

Die alten Perser hielten Perlen für Tränen der Götter. Die Tochter eines Großmoguls, der die Heirat mit ihrem Geliebten verweigert wurde, habe Nacht über Nacht um ihn geweint. Es seid er Gott Krishna gewesen, der daraufhin ihre Tränen in Perlen verwandelt habe.

Eine andere Erklärung, die im Orient entstand und bis weit in die römische Zeit hinein akzeptiert wurde, liefert der große Plinius: Perlen entstünden aus der Befruchtung von Austern durch den Morgentau. Im alten China glaubte man, Perlen entstünden im Gehirn von Drachen.

Nun, die Wahrheit ist zwar nicht ganz so poetisch, aber nicht weniger interessant – wenn auch nicht ganz unumstritten. Ging man früher davon aus, die Perlauster (es gibt etliche verschiedene Arten davon) umlagere einfach ein eingedrungenes Sandkorn mit Perlmutt, so ist die inzwischen verbreitetere Hypothese, durch Verletzungen oder Parasiten werden Epithelzellen der Muschel ins Mantelgewebe befördert und dort mit einer dunklen Substanz namens Conchiolin eingeschlossen, die wiederum zur Anlagerung und Anbindung von Perlmuttschichten führt.
Bei Zuchtperlen wird dieser Eindringling künstlich eingebracht. Während dazu bei Salzwasserperlen zumeist eine dünne Kugel aus Muschelschale zusammen mit etwas Mantelgewebe dient, werden Süßwasserperlen zumeist „kernlos“ gezüchtet, indem nur Mantelgewebe implantiert wird. Dies ist ein hochkomplizierter Vorgang, für den erfahrene Spezialisten benötigt werden. Dennoch benötigt eine Perle eine Zeit von etlichen Monaten bis hin zu mehreren Jahren, um zu wachsen, denn prinzipiell wächst eine Zuchtperle ähnlich wie eine natürliche Perle.

Diese aufwändige Entstehung hat viel zum Mythos der Perle beigetragen. Sie lässt uns verstehen, weshalb Perlenschmuck so lange als Privileg der Könige galt.Perlenschmuck online auf perlen-perlenketten.de



Autor  Manuel Wiese
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